Agnes Gerstenberg


Erwachsenentheaterstücke

 

 

"Verkapselt"

 

 

Sehr Ernst:    Wo sind wir?

     Ernst:    In einer Raumkapsel.

Sehr Ernst:    Es ist ein kapselartiger Raum.

     Ernst:    Oder eine Raumkapsel.

Sehr Ernst:    Weiß. Alles weiß. Ganz weiß.

     Ernst:    Und Glas.

Sehr Ernst:    Ja, Glas auch. Und dahinter?

     Ernst:    Dahinter?

Sehr Ernst:    Auch weiß. Alle ganz weiß.

     Ernst:    Die gucken. Gucken die uns an?

Sehr Ernst:    Ja.

     Ernst:    Alle weiß und gucken? Was gucken die denn so?

Sehr Ernst:    Ja.

     Ernst:    Was gucken die denn?

Sehr Ernst:    Ich weiß nicht. Aber weiß sind sie, ganz weiß. Und hinter Glas.

 Schwester:    Hallo.

 

 

Einst diente die Erde dem Menschen als Lebensraum....

Luna und Ernst versuchen sich ihre eigene Welt innerhalb der realen Welt aufzubauen, weil sie mit den Gegebenheiten der von der Gesellschaft akzeptierten Realität nicht mehr zurechtkommen. Sie versuchen sich einzukapseln und hoffen so auf ihre eigene, eine bessere Welt.

Das Stück war in der Endrunde um den Kleistförderpreis 2015.

Zur UA frei. Rechte liegen bei der Autorin.

 

 

 

 

 

 

 

 

"Unberührt" 16+

 

 

Josy:   Ich hatte schon immer das Bedürfnis, Menschen einfach so zu berühren. Auch wenn sie mir ganz fremd waren.

 

 

Josy lernt Robert in einem Waschsalon kennen und trifft ihn auf einer Party wieder. Mit ihm kann sie sich vorstellen, endlich das zu tun, worauf sie schon so lange gewartet hat. Sie will nur noch einmal schnell ins Bad, bevor sie mit ihm von der Party verschwinden will. Doch dann kommt alles anders.

Nachdem Robert aus dem Fenster gefallen ist und niemand weiß, wie das passieren konnte, wird Josy von einem jungen Mann von der Unfallstelle weggeführt und erkennt in diesem Robert wieder. Nach einer Weile stellen die beiden fest, dass sie sich nicht einig sind darüber, wo sie sich zum ersten Mal begegnet sind.

Gerade als Josy beschließt, sich wieder mehr auf ihr Studium zu konzentrieren und sich auf ihre Rolle als Tante vorzubereiten, kommt ein dritter Robert, durch den ihr eines klar wird: dass man Menschen vielleicht erst kennenlernen sollte, bevor man sie fragt, ob man sie anfassen darf.

Das Stück war in der Endrunde um den Kleistförderpreis 2014. Im Juni 2014 wurde es bei 4+1 im Schauspielhaus Leipzig in einer Lesung vorgestellt.

Es ist zur UA frei. Rechte liegen bei chronos theatertexte.

 

 

 

 

 

„zwanzig Komma drei Meter Ruhe“

 

S lebt mit B seit ein paar Jahren in einer glücklichen Beziehung. Bis zu dem Tag, an dem sie von Lena an der Bushaltestelle angesprochen wird und ihr geordnetes Leben zu hinterfragen beginnt.
Nicht nur ihre Beziehungsgefüge und ihr Alltag, auch die Form des Stückes, Raum- und Zeitebenen geraten zunehmend durcheinander.
Wenn S nicht pünktlich nach Hause kommt, zählt B die Sekunden. Noch weiß er nicht, dass S wegen Lena zu spät kommt. Doch S muss eine Entscheidung treffen. Oder liegt die Entscheidung gar nicht bei ihr?
„zwanzig Komma drei Meter Ruhe“ beschäftigt sich nicht nur mit dem Phänomen, dass wir immer das begehren, was wir gerade nicht haben. Es wirft auch die Frage nach der Autonomie in einer Beziehung auf und wie sehr wir auf andere Menschen angewiesen sind.

 

Im April 2012 in Auszügen im Rahmen von UniT am Retzhof, Leibnitz und am Schauspielhaus Wien gezeigt. August 2012 zum Kaltstart Festival Hamburg eingeladen, in Auszügen präsentiert. In der Endrunde um den Kleistförderpreis 2013. Zur UA frei. Rechte bei der Autorin.

 

 

 

 

 

 

 

"Zu einer anderen Jahreszeit. Vielleicht."

 

Paul, der als Fahrradkurier in der Anonymität einer Großstadt alleine lebt, findet beim Joggen im Park ein Mädchen. Es ist Nacht, und weil die junge Frau nackt und hilflos im Schnee liegt, nimmt er sie mit in seine Wohnung. Am nächsten Morgen jedoch ist sie verschwunden und es scheint, als sei sie nie da oder nur das Ebenbild einer schmerzlichen Erinnerung gewesen. Paul versucht, sein Leben weiterzuleben wie bisher, doch dann glaubt er die junge Frau in einer Studentin wiederzuerkennen. Argwöhnisch beobachtet vom Vermieter, geht er auf die Suche nach dem, was wirklich geschehen ist, und heftet sich an die Fersen der Fremden.

 

Im Dezember 2010 im Per H. Lauke Verlag veröffentlicht. April 2011 am Staatstheater Braunschweig in einer Werkstattinszenierung von Lisa Kempter gezeigt.    

Zur UA frei. Rechte beim Per H. Lauke Verlag.                Am 24.11.2015 als Hörspiel beim SWR.

 

 

 

 

Jugendtheaterstücke

 

 

 "Schwerelos - Rücksicht auf Verluste"

 "Weightless or with regard to any losses incurred"

 

 

Tom:    Liebst du mich? 

JULIE:  Fragt er.

        Natürlich.

Tom:    Liebst du mich?

JULIE:  Wiederholt er seine Worte.

        Wie könnte ich nicht?

Tom:    Vergiss nicht.

JULIE:  Sagt er.

Tom:    Und sie weiß längst, was ich meine.

JULIE:  Ich weiß längst, was er meint.                            (...)

 

Tom spricht nur noch mit Julie, alle anderen Menschen versteht er nicht mehr, sie reden lautlos und bewegen sich wie in Zeitlupe. Doch Julie wird nicht mehr lange da sein, er muss sich von ihr verabschieden. Oder ist sie schon gar nicht mehr da?

2004 beim Drama-X-Wettbewerb in Wien in einer Tiefgarage gezeigt. Es wurde 2005 zu World Interplay, Australien eingeladen und von Marlene Norst ins Englische übersetzt (finanziert vom Goethe Institut). Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum lud mich 2005 mit dem Stück zum Frankfurter Autorenforum ein.

Nach zehn Jahren wird es endlich von einer Gruppe Spielwütiger in Stuttgart als "Werkstattinszenierung" auf die Bühne gebracht. Premiere ist am 31.10.2014 im KKT der Theatergruppe 360 Grad.

Zur UA frei. Rechte liegen bei der Autorin.

 

 

 

 

"Ein Schuss für Jeden"

 Drei Paare, eine Gang: Daniel und Bella, Georg und Lisa, Jakob und Kathrin. Aber zwischen Georg und Lisa ist es aus und Bella – unglaublich! – lässt Alphamännchen Daniel sitzen, weil sie heimlich auf Georg steht. Der sie liebt. Und sich nicht traut, weil Daniel sein Freund ist. Insgeheim werden sie ein Paar, doch Georg weiß: Daniel, in seiner Ehre gekränkt, ist zu allem fähig. Georg behält Recht. Wenn das Stück einsetzt, sind fünf Schüsse gefallen in Lisas Wohnung - und Georg hat überlebt…
Das „böse Frühlingserwachen“ zeigt, was heute in den Köpfen junger Leute passieren kann. Aus einer harmlosen Jugendliebe wird mörderischer Ernst, aus Freundschaft Hass. Gewaltbereitschaft, Lebensüberdruss und Gruppendynamik münden beinahe in eine Katastrophe. Nur Bellas beherztes Mitdenken kann das Schlimmste verhindern.

 

2007 Uraufführung am Thalia Theater Halle, Regie: Mareike Mikat. Eingeladen zu den Werkstatttagen nach Leipzig 2008. Rechte beim Theaterverlag München.

 Design und Grafik der Buchfassung: Laura Dreßler

 

 

 

Kindertheaterstücke

 

"Ich hab euch gesehen"

 

Pia wird Zeugin eines Verbrechens und von den Tätern gezwungen zu schweigen. Das, was Pia gesehen hat, lässt sie jedoch nicht los und sie würde gern mit ihrer besten Freundin Anna darüber sprechen. Doch die Typen, die ein paar Jahre älter sind als Pia und auf dieselbe Schule gehen, lauern ihr fast jeden Tag auf, schubsen sie herum und drohen ihr. Da Pias Freunde ständig dieses Spiel spielen, bei dem man gezwungen ist, die Wahrheit zu sagen oder das zu tun, was andere von einem verlangen ("Wahrheit oder Pflicht"), zieht Pia sich immer weiter zurück, weil sie fürchtet sich zu verplappern oder nicht an die Spielregeln halten zu können. Ihre Freunde, die merken, dass mit Pia etwas nicht stimmt, nehmen zunächst an, dass sie sich verliebt hat. Doch das ist es nicht. Schließlich versuchen sie auf eigene Faust herauszufinden, was Pia hat und nehmen es am Ende mit den Tätern persönlich auf.

 

Sommer 2013, Förderpreis des Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg 2014, Preisverleihung am 22.Mai im JES (Junges Ensemble Stuttgart). Zur UA frei. Rechte liegen beim Verlag für Kindertheater.

 

 

 

 

"Monsterfische"

Till ist neu in der Stadt. Seine Eltern haben sich getrennt und seine Mutter ist mit ihm umgezogen. Er vermisst seinen Vater, mit dem er so oft Angeln war, seine Freunde und das Meer. Als er auf Ela und Bodo trifft, kommt er auf eine seltsame Idee, um die beiden zu beeindrucken: Er behauptet, ein Fisch zu sein. Was Ela zunächst spannend findet und Bodo total auf die Nerven geht, dreht sich bald um. Und die drei manövrieren sich in eine mittlere Katastrophe. Am Ende wird natürlich alles gut. 

Entstanden 2010 in Zusammenarbeit mit dem GRIPS Theater Berlin im Rahmen des Berliner Kindertheaterpreises 2011. Zur UA frei. Rechte liegen beim Verlag für Kindertheater.